Die Gemeinde

Die Gemeinde

Das Leben in der Nachfolge - da waren sich die meisten Täufer einig - konnte nur im Kontext der Gemeinde gelingen. Keine staatliche Macht sollte in Glaubensdingen mitreden dürfen, daher die Forderung nach klarer Trennung von Kirche und Staat. Die negativen Erfahrungen mit Kirchenhierarchien ließen nur ein Modell als möglich erscheinen: die Bemühung um eine Restitution der urchristlichen Gemeinde; "...sie waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam" (Apg 3:44). Diese kommunitäre Lebensweise ist heute nur noch bei den Hutterern (ein Zweig der Täuferbewegung) zu finden. Doch andere Elemente dieses idealisierten Modells kennzeichnen noch heute die Mennoniten. Alle Gemeinden sind kongregationalistisch verfaßt, d.h. sie sind in Lehre und Lebensgestaltung autonom. Das Priestertum aller Gläubigen wird verstanden im Sinne des paulinischen Gemeindeverständnisses, jede/r diene mit ihren/seinen Gaben. Man folgt in Streitigkeiten der sog. Gemeinderegel aus Mt 18. Dies setzt natürlich ein freiwilliges Eintreten in die Gemeinde voraus, was heute noch durch die Glaubenstaufe (im Jugend- oder Erwachsenenalter) dokumentiert wird.
Für die Täufer des 16.Jh. stellte die Tauffrage den entscheidenden Bruch mit Rom, aber auch mit den anderen Reformatoren dar. Kein neutestamentlicher Beleg ließ sich finden, der eine Säuglingstaufe legitimiert hätte, vielmehr wurde hierin die ganze Symbolik der unheilvollen Verquickung von Kirche und Staat deutlich. Auch für ein sakramentales Abendmahlsverständnis wollten die Täufer keine Belegstelle gelten lassen. Sie hielten nichts von Trans- oder Konsubstantiationslehre. Die Erinnerung an Jesu Leben und Sterben und die Symbolik der Gemeinschaft stehen im Vordergrund.

Die Gefahr in einer so stark auf die christliche Ethik ausgerichteten Gemeinschaft ist, wie bei allen anderen Protestanten auch, daß die Bibel zum "papierenen Papst" wird. Einflüsse durch Pietismus und Fundamentalismus (Nordamerika) haben auch die Mennoniten geprägt und im Extrem in einen Biblizismus geführt. In anderen Gruppierungen hat der Liberalismus seine Spuren hinterlassen. So sind Mennoniten heute stärker durch ihren geistesgeschichtlichen und kulturellen Kontext geprägt als durch ein allen gemeinsames Schriftverständnis. Nur in ganz seltenen Fällen sind Mennoniten das, was in den Medien manchmal so spektakulär und oft schlecht recherchiert dargestellt wird, wie z.B. über Mennoniten in Mexiko, die deutsch sprechen und ein Leben wie im 19.Jh. führen.
Was die Mennoniten untereinander verbindet, ist die gemeinsame Geschichte einer Konfession, die niemals bereit war, Ethik und Ekklesiologie getrennt voneinander zu sehen, da diese Trennung den Aussagen der biblischen Zeugnisse widerspräche. Sie blieben mit dieser Auffassung eine Minderheit. War ihre Geschichte in den Anfängen stark durch die Verfolgungssituation geprägt, so können Mennoniten heute die biblischen Zeugnisse als Fundament ihres Glaubens in der ökumenischen Gemeinschaft teilen und machen sich gemeinsam mit Christinnen und Christen anderer Konfessionen auf zu neuen Entdeckungen.


Weitere Informationen über Mennoniten

erhalten sie unter www.mennoniten.de


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